GEWÖLK
< THEATER MÜNSTER >
MIT LUISE ZIEGER, ILJA HARJES, CHRISTIAN BO SALLE, KATHARINA BRENNER (VOICE OVER)
REGIE: TAMARA SONJA AIJAMATHIESEN
TEXT: PAULA KLÄY
BÜHNE / KOSTÜM: ANTON VON BREDOW
DRAMATURGIE: JULIA FIEBAG
PREMIERE: JAN 2026
(URAUFFÜHRUNG)
Eigentlich will Mavie von ihrem Liebeskummer erzählen. Ihre Freundin Lou ist nicht zum geplanten Motorrad-Roadtrip erschienen und überlässt Mavie ihrem Schicksal. Für sie ist vorgesehen, von einer wildgewordenen Hundemeute gefressen zu werden, doch Mavie reicht es mit diesem Stück, das ihr Leben ist. Sie hört auf dem Skript zu folgen und beginnt, sich einen neuen Text zu überlegen. Als der Theaterautor Peter bemerkt, dass sich seine Figur verselbständigt hat, tritt er in Aktion mit ihr. Figur und Autor begegnen sich auf der Theaterbühne und erforschen die Banalität der Vergänglichkeit. Todesmutig beginnen Mavie und Peter von ihren Verlusten zu berichten, die sich immer wieder in vermeintlich alltäglichen Beobachtungen von Tieren und Gegenständen manifestieren: Eine Eintagsfliege, die um den Essig kreist, das Ende der Spargelzeit, ein schmelzender Gletscher, Mavies Eltern, die nie gesprochen haben und Peters Vater, der vergessen hat, wie man lebt.
Gewölk verschiebt die Härte der realen Verluste auf die Theaterbühne, wo sie gleichzeitig wahr und erfunden sind. Wo der Bühnennebel das Vergessen von Peters dementem Vater ist, aber eben auch – Bühnennebel. Damit erhebt der Text die Traurigkeit zu einem absurd-humorvollen Experiment, in dem sich Mavie dem Verlust verweigern kann. Sie schreit nach dem Leben und der Liebe, von der Angst vor Verlusten nicht kleinzukriegen, und mit dem starken Willen, auch über den Tod selbst zu bestimmen.




Das Stück unter der Regie von Tamara Aijamathiesen springt genüsslich zwischen Fiktion und Wirklichkeit hin und her.
...Dabei sind die drei Protagonisten - glänzend gespielt - ihrer Rolle als Theaterfiguren bewusst, mal sind sie Teil des angedachten Schauspiels, dann finden sie sich in der Diskussion über das Stück wieder, dann versinken sie in Gedanken über private Verluste.
(Die Glocke)
Das (Stück) klingt erstmal kompliziert. Ist es auch. Aber gleichzeitig auch sehr unterhaltsam, weil Kläy das Stück mit gut dosierte Komik ausstattet. Regisseurin Tamara Aijamathiesen beweist ebenfalls gutes Gespür dafür, wie lustig man werden kann, ohne albern zu sein.
...Als Peter vom Tod seines Vaters erzählt, schlurft dieser plötzlich (...) über die Bühne - einfach so aus dem Nichts, und dann gleich wieder weg wie eine Erinnerung (...). Eine gelungene Szene, weil sie die Akteure ebenso überraschen scheint wie das Publikum und an das Absurde anklingt, das Camus unserem Dasein attestiert.
...Die Inszenierung überzeugt mit guten Einfällen. Hinzu kommen Luise Zieger als Mavie, Ilja Harjes als Peter und Christian Bo Salle als Regisseur, die allesamt leichtfüßig und charmant agieren. Ja, es macht schon Spaß, ihnen zuzuschauen, wie sie durch die komplexe Struktur des Stücks turnen.
(Westfälische Nachrichten)
In "Gewölk" schreibt Paula Kläy über das Herstellen von (Theater)Illusion, über Verlust und Vergehen. In ihrer Uraufführung in Münster spielt Regisseurin Tamara Aijamathiesen dieses skurrile Spiel gerne mit.
Auf der Bühne wie im Text vermischen sich die Welten. Der Schritt zwischen Realität und Illusion ist kein großer und wird mit Leichtigkeit vollzogen.
(Kultur.west)
